Neues Urteil zur Auslandskrankenversicherung

Reisekrankenversicherung
Reisekrankenversicherung

Werden dem Versicherten einer Reisekrankenversicherung während einer Erkrankung im Ausland Medikamente verordnet, die er bereits schon vor seinem Reiseantritt regelmäßig in Deutschland einnehmen musste, so ist seine Auslandskrankenversicherer nicht dazu verpflichtet, deren Kosten zu übernehmen. Das ergibt sich aus einem aktuellen Urteil des LandgerichtsDetmold (Az.: 10 S 229/11).

 

  • Der Kläger musste sich anlässlich eines Urlaubs in Spanien ärztlich behandeln lassen. Grund war ein Sonnenstich, der starke Blutdruckschwankungen, Bluthochdruck, Herzschmerzen und Durchblutungsstörungen auslöste.


Wann sind Belege für den Versicherer ausreichend ?

  • Die Behandlungen fanden in der Ferienwohnung des Klägers durch einen Allgemeinmediziner statt. Für insgesamt sieben Hausbesuche rechnete der Arzt 820 Euro ab. Hinzu kamen Kosten für Medikamente in Höhe von rund 145 Euro.

 

  • Der Reiserankenversicherer des Klägers lehnte es jedoch ab, die Kosten zu übernehmen. Begründung: Aus den von dem Kläger vorgelegten Belegen sei weder ersichtlich gewesen, wie sich der hohe Rechnungsbetrag zusammensetzt, noch dass die Vielzahl der geltend gemachten Hausbesuche erforderlich gewesen sei.

 

  • Der Kläger war der Meinung, dass die Belege aussagekräftig genug und ihm weitere Nachforschungen nicht zumutbar seien
    .

Wann ist die Behandlung "medizinisch erforderlich" ?

 

  • Als Grundlage seiner Entscheidung diente dem Landgericht Detmold unter anderem eine Vernehmung des behandelnden Mediziners aus Spanien. Dieser bestätigte den Richtern, dass der Kläger einen Sonnenstich erlitten hatte und deswegen diverse Hausbesuche erforderlich waren.
  • Ein vom Gericht beauftragter Sachverständiger kam anschließend zu dem Ergebnis, dass die von dem spanischen Arzt durchgeführten Behandlungen sowohl von ihrer Art auch von ihrer Vielzahl medizinisch notwendig und korrekt durchgeführt worden waren.

Was passiert,wenn die Behandlungskosten im Ausland deutsche Sätze übersteigen?

  • Einwände hatten die Richter allerdings bezüglich der Höhe der geltend gemachten Kosten. Denn der Kläger konnte nicht nachweisen, dass sie nicht überhöht und wie von ihm behauptet in Spanien üblich waren. Der Versicherer wurde daher lediglich dazu verurteilt, dem Kläger die auf Basis der in Deutschland üblichen Sätze vergleichsweise anfallenden Kosten zu erstatten.

Was passiert, wenn der Arzt im Ausland Medikamente weiter verschreibt, die der Versicherte auch in Deutschland regelmäßig nehmen muss ?

  • Die Kosten für die dem Kläger verordneten Medikamente muss die Reisekrankenversicherung nicht übernehmen. Denn vergleichbare Medikamente musste der Versicherte auch schon vor seiner Reise regelmäßig in Deutschland einnehmen. Insofern hat kein unvorhergesehener Versicherungsfall im Sinne der Versicherungs-Bedingungen vorgelegen“, so das Gericht abschließend in seiner Urteilsbegründung.

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Kommentare: 1
  • #1

    Thomas (Dienstag, 07 Juni 2016 12:52)

    Ein sehr informativer Artikel mit ganz wichtigen Informationen. Besonders jetzt wo die Reisezeit wieder beginnt, ist man für solche Informationen dankbar, denn niemand möchte am Ende auf den Kosten sitzen bleiben.